Canon geht gegen Drittanbieter-Toner vor: Angebote auf fünf Marktplätzen entfernt
Canon geht gegen Drittanbieter-Toner vor: Angebote auf fünf Marktplätzen entfernt
Canon setzt sein internationales Patentdurchsetzungsprogramm gegen bestimmte Tonerkartuschen von Drittanbietern fort. Wie das Unternehmen am 29. Juli 2026 mitteilte, wurden im ersten Halbjahr 2026 mehrere Angebote von fünf großen Online-Marktplätzen entfernt.
Betroffen waren Angebote auf Amazon, Coupang, T-mall, JD.com und Lazada. Nach Angaben von Canon enthielten die angebotenen Tonerkartuschen technische Lösungen, die nach einer Prüfung durch das Unternehmen bestehende Canon-Patente verletzen sollen.
Amazon steht besonders im Fokus
Für die Maßnahmen auf Amazon berief sich Canon auf zwei US-Patente sowie zwei europäische Patente. Die europäischen Schutzrechte gelten unter anderem in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Spanien und Polen.
Canon weist allerdings darauf hin, dass eines der genannten europäischen Patente in Belgien und Schweden nicht validiert beziehungsweise nicht durchgesetzt wurde.
Auch außerhalb Europas war das Unternehmen aktiv:
Coupang in Südkorea
T-mall und JD.com in China
Lazada in Singapur
Amazon in den USA und mehreren europäischen Ländern
Wie viele Angebote wurden tatsächlich entfernt?
Eine konkrete Gesamtzahl nennt Canon diesmal nicht. Auch die Namen der betroffenen Hersteller, Marken und Händler wurden in der zusammenfassenden Mitteilung nicht veröffentlicht.
Damit lässt sich aus der Ankündigung zwar erkennen, dass Canon seine Schutzrechte international und plattformübergreifend durchsetzt – das genaue Ausmaß der Maßnahmen bleibt jedoch offen.
Wichtig ist außerdem die sprachliche Einordnung: Die Angebote wurden entfernt, weil Canon sie nach eigener Prüfung als patentverletzend eingestuft und entsprechende Anträge bei den Plattformen gestellt hatte. Die Mitteilung bedeutet nicht automatisch, dass jede behauptete Patentverletzung zuvor durch ein unabhängiges Gericht abschließend festgestellt wurde.
Was bedeutet das für Händler?
Für Händler von kompatiblen Tonerkartuschen steigt der Prüfungsbedarf. Ein günstiger Einkaufspreis oder die Zusicherung eines Lieferanten schützt nicht automatisch vor einer Angebotssperre. Besonders kritisch können technische Bauteile wie Antriebskupplungen, bewegliche Komponenten, Gehäusekonstruktionen oder Chips sein.
Händler sollten deshalb:
die Herkunft ihrer Tonerkartuschen nachvollziehbar dokumentieren,
sich Patentfreistellungen und Konformitätsnachweise geben lassen,
Lieferanten sorgfältig auswählen,
gesperrte Artikel nicht einfach unter einer neuen Artikelnummer einstellen,
und bei einer Beanstandung fachkundigen rechtlichen Rat einholen.
Sind alle kompatiblen Toner betroffen?
Nein. Canons Mitteilung richtet sich nicht pauschal gegen sämtliche kompatiblen, recycelten oder wiederaufbereiteten Tonerkartuschen. Entscheidend ist die konkrete technische Ausführung des jeweiligen Produkts und die Frage, ob dadurch tatsächlich ein gültiges Patent verletzt wird.
Seriöse Alternativanbieter bleiben damit grundsätzlich möglich. Die aktuellen Maßnahmen zeigen jedoch deutlich, dass Herstellerpatente auch im Bereich des Druckerverbrauchsmaterials weiterhin konsequent durchgesetzt werden.
Fazit
Canon erhöht den Druck auf Anbieter bestimmter Drittanbieter-Toner und bezieht dabei immer mehr internationale Verkaufsplattformen ein. Für Händler bedeutet das: Produkte, Lieferketten und rechtliche Zusicherungen müssen sorgfältiger geprüft werden. Käufer sollten wiederum nicht davon ausgehen, dass jedes entfernte Angebot automatisch ein gefälschtes Produkt enthielt – Patentverletzung, Markenfälschung und allgemeine Produktqualität sind unterschiedliche Themen.
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